UX Bulletin Nr. 1 - 2026
Am Montag um 21 Uhr machte sich das UX Team Dave und Rebekka gemeinsam mit Christian Bontekoe auf den Weg nach Zürich zur Ernst Welti AG – bereit für ein Contextual Inquiry direkt im laufenden Betrieb. Die Fahrt war staufrei, ein Vorteil der nächtlichen Arbeitszeit.
In diesem Artikel zeigen wir, wie das Opacc UX-Team bei einem der grössten Gemüse- und Früchtehändler der Schweiz mitten in der Nacht vor Ort war — und wie aus einem Contextual Inquiry im laufenden Lagerbetrieb ein intuitiv bedienbares digitales System entstand.
Autor: David Christen, Senior UX Designer
Veröffentlicht: Juni 2026
Unser Ziel
Das vollständig manuell geführte Warenlager eines der grössten Gemüse- und Früchtehändler der Schweiz digital abzubilden.
Schritt für Schritt
Bei diesem Auftrag wählten wir einen ungewöhnlichen Einstieg. Statt mit den bewährten Opacc-UX-Workshops Strategie, Personas und Jobs starteten wir direkt vor Ort in Zürich mit dem Contextual Inquiry.
Gegen 22.00 Uhr erwachten die Hallen mitten in Zürich langsam zum Leben. Ausgerüstet mit Stift und Smartphone folgten wir den Mitarbeitenden Schritt für Schritt. Ab Mitternacht herrschte Hochbetrieb. Wir stellten Fragen, wechselten von einem Lagerbereich zum nächsten, froren ununterbrochen und versuchten dennoch, den komplexen Ablauf präzise zu verstehen. Das weit verzweigte Labyrinth aus Gängen und Kühlräumen sorgte immer wieder für Orientierungslosigkeit – und genau dadurch für wertvolle Einsichten
Um 2.00 Uhr traten wir müde aber mit vielen Erkenntnissen im Gepäck die Rückfahrt an.
Am nächsten Tag analysierten wir das Erlebte. Wir strukturierten die Abläufe, hielten Muster fest, skizzierten erste Ideen und formten daraus ein klares Prozessbild.
Nach mehreren Iterationen entstand ein Prototyp, der bereit war für das Testing.
Nachteinsatz für die User-Testings
Das Testing begann etwas früher bzw. später als das letzte Mal. Um 4.00 Uhr machten wir uns zu dritt auf den Weg nach Zürich zu Ernst Welti, um zu prüfen, ob das System, das wir im Rahmen der Contextual Inquiry gemeinsam entwickelt hatten, von den Nutzenden vor Ort verstanden und tatsächlich genutzt werden kann.
Die Tests mit den Nutzenden lieferten spannende Erkenntnisse. Bereits beim ersten Testing konnten wir einige Punkte identifizieren, die von den Nutzenden nicht intuitiv verstanden wurden. Eine Woche später fand das zweite Testing statt: Der Prototyp war bis dahin angepasst und bereit für die nächste Testrunde.
Insgesamt zeigte sich, dass die Arbeitsschritte und Prozesse im Prototyp gut dargestellt sind und von den Nutzenden verstanden werden. Auch die Geschäftsleitung bewertet das System positiv und unterstützt die Einführung. Der nächste Schritt ist die Entwicklung des Systems, damit die Mitarbeitenden von Ernst Welti möglichst zeitnah damit arbeiten können.
Fazit
Die Kenntnis darüber, wer im Lager von Ernst Welti arbeitet (Mitarbeiter mit Migrationshintergrund und begrenzten Deutschkenntnissen), wie die Umgebung aussieht (dunkel, kalt, verwinkelt) und wie die Prozesse ablaufen, war zentral. Durch Contextual Inquiry und Nutzertests konnten wir rasch ein System entwickeln, das für die Mitarbeitenden leicht verständlich, effizient bedienbar und zukunftsfähig ist.
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